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Der lange Weg

Lesezeit ca.: 2 Minuten

Jeden Morgen sitze ich in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit. Ich muss nur 4 Stationen fahren, bis ich umsteigen muss, daher reicht die Zeit nicht, um ein Buch zu lesen. So beobachte ich die Leute und überlege, was das wohl für Menschen sind?

Am Donnerstag habe ich eine junge Frau gesehen. Sie ist mit mir in die Bahn eingestiegen. Sie war schlank und trug eine kleine Umhängetasche mit einer Stickerei. Irgendwie passte sie nicht in das Bild der morgendlichen Menschenmenge. Sie sah wach aus, erwartungsvoll und strahlte eine unglaubliche Ruhe aus. Irgendwie erinnerte sie mich an die Tochter einer Patientin. Diese Tochter hatte ihre Mutter stets zur Chemotherapie in unser Krankenhaus begleitet. Sie kam morgens bereits vor dem Frühstück, um ihre Mutter zu waschen und ihr beim Anziehen zu helfen. Erst am Abend lange nach dem Abendessen verließ sie das Krankenhaus wieder.
Der Vergleich dieser beiden Frauen brachte mich auf den Gedanken, dass die junge Frau in der Bahn vielleicht ihre Mutter besucht. Sie hat sie bestimmt lange nicht gesehen und freute sich nun sehr auf den besuch, in der Hoffnung, dass es ihrer Mutter gut geht, voller Freude sie endlich in ihre Arme zu schließen.

An einem anderen Tag wurde ich von einer älteren Dame angesprochen, welche Station wohl als nächstes kommt. Mit meiner Antwort war sie gar nicht zufrieden, denn sie war in die falsche Richtung eingestiegen. Sie teilte mir mit, dass sie nicht so oft Bahn fahren würde. Als sie ausgestiegen war überlegte ich mir einen Grund, warum sie diesmal Bahn fuhr. Wo wollte sie nur hin?

So geht es mir mit vielen Begegnungen. Manchmal erkennt man an der Kleidung, ob jemand zu einer Baustelle unterwegs ist oder im Büro arbeitet. Zur Zeit sind auch wieder viele Schüler unterwegs, da kann man sehr gut das Sozialverhalten unserer Jugend beobachten. Sehr interessant.

Nun meine Aufgabe an Sie:

Auf ihrem morgendlichen Weg zu Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen, begegnen ihnen viele Persönlichkeiten, menschen, die einem besonders auffallen. Suchen sie sich einen davon heraus. Welche Geschichte fällt ihnen zu der Person ein? Was für ein Mensch steckt dahinter, welche Motive und Probleme könnte Derjenige haben?

Dann gibt es aber auch die Unscheinbaren, Personen die in der Menge untergehen, die nicht auffallen. Versuchen sie so eine Person zu finden, blicken sie hinter die Fassade. Gibt es interessantes zu entdecken? Gibt es einen Grund für das unauffällige Verhalten?
Gerade diese blassen Figuren verdienen einen zweiten Blick. Manchmal findet man gerade hinter diesen Typen spannende Charaktere.

Durch diese Übung schulen sie ihre Beobachtungsgabe und ihre Fantasie, das Gesehene mit einer Story zu schmücken.

Nun viel Spaß!
Ich freue mich auf ihre Zuschriften.

Ihre Kathrin Hamann

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One comment

  1. Hatice Büsra Cukaz

    Meistens bin ich selber noch viel zu verschlafen, wenn ich mich auf dem Weg zum Frühdienst ins Krankenhaus befinde, um auf die Leute um mich herum zu achten, welche mit mir im selben Bus sitzen. Auch sie sehe ich ab und zu gähnen oder sogar ihre Augen reiben, es ist nämlich erst kurz nach halb sechs und die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Das ist jedenfalls die größte Zeit des Jahres so, im Sommer haben wir ca. 60 Tage, an denen es um halb sechs in der früh schon hell ist.
    Ganz selten kommt es auch vor, dass ich tatsächlich hellwach in meinem Sitz umherschaue, weil ich wie so oft zu spät aus dem Haus gegangen bin und einen rekordverdächtigen Lauf zur Bushaltestelle hinter mir habe, der 1000 mal wacher macht als eine Kanne voll schwarzer Kaffee mit einem Liter Energiedrink hinterher. An diesen eher seltenen Tagen bietet sich mir die Gelegenheit meine Mitfahrer etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, als lediglich festzustellen, dass sie noch genauso schlaftrunken sind wie ich. Ich nutzte also die Möglichkeit und werfe einen Blick auf den erstbesten der mir auffällt. Eigentlich ist er der Einzige der auch unangenehm auffällt, da er ungeduldig und völlig ohne Grund gegen die Busfahrertür klopft, als diese ihm nicht schnell genug an der Bushaltestelle zum Krankenhaus öffnet. Er murmelt noch irgendwas vor sich hin, wahrscheinlich ärgert er sich über den Busfahrer, der seine Schicht gerade erst begonnen hat. Kurz nach ihm steige ich auch aus, er trägt sein schwarz-graues Haar sehr kurz, auch eine Brille mit kleinen ovalen Gläsern hat er auf. Erinnert mich irgendwie an einen alten Lehrer von mir, sein Verhalten jedoch finde ich sehr kindisch. Er wirkt sehr gehetzt, nimmt sich nicht einmal die Zeit um bei Grün die Straße zu überqueren, obwohl das eine sehr gefährliche Kreuzung ist und erst letzte Woche eine Mitarbeiterin des Krankenhauses von einem Auto angefahren wurde. Ich komme kaum noch hinter her, aber schließlich habe ich es auch nicht so eilig wie er, ich kenne den Weg zu meiner Station und kann abschätzen wie lange ich noch bis in den 5. Stock brauchen werde. Das lässt mich zu dem Schluss kommen, dass dies heute wahrscheinlich sein erster Tag ist und er durch pünktliches Erscheinen einen guten ersten Eindruck bei seinen neuen Mitarbeitern hinterlassen möchte. Obwohl er glaubt durch sein Gehetze den anderen Fahrgästen, die gleichzeitig mit ihm ausgestiegen sind, weit voraus zu sein, fahre ich doch im selben Aufzug mit ihm hoch und stelle fest, dass er im vierten Stock aussteigt und zur Privatstation nach rechts einlenkt. Noch lange nachdem er ausgestiegen ist, denke ich kopfschüttelnd über ihn nach und finde ihn nach wie vor sehr seltsam. Auch den gesamten Frühdienst über lässt er mich nicht los und 2-mal kommt es auch zu einer Begegnung mit ihm, diesmal allerdings in seiner Dienstkleidung, was jedoch nichts an meinem ersten Eindruck von ihm ändert geschweige denn wieder gut macht.

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