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Schreiballtag

Jeder der schreibt kennt es.

Zuerst wird der Kaffee gekocht, dann wird die Post geholt, der Abwasch wird erledigt, hier ist ja auch noch die Wäsche zu machen und der Schreibtisch wird erst am Nachmittag aufgesucht, um endlich mit dem Schreiben weiter zu machen. Alles wird erledigt, damit man beim Schreiben seine Ruhe hat. Doch sieht das in meinen Augen wie Aufschieberei aus. Hier werden die falschen Prioritäten gesetzt. Was wollen sie? Wollen sie nicht endlich die Geschichte beenden? Wollen sie nicht bald ihr fertiges Buch in den Händen halten oder das erste Geld für ihre Arbeit auf dem Konto sehen?

Ich kann sie verstehen, mir geht es ja nicht anders. Schreibblockaden kenne ich auch. Aber ehrlich, ich sehe mein Ziel und da will ich auch hin, und wenn ich dafür im Chaos sitze. Bin ich erst einmal beim Schreiben, kommen die Ideen, die Worte erscheinen auf dem Bildschirm von ganz allein.

Aber um mich endlich an den Schreibtisch zu setzen, musste ich mich früher immer überwinden. Heute ist das ganz anders. Ich habe mir einen Schreiballtag eingerichtet.

Ja, jetzt höre ich schon die ersten kritischen Stimmen. Ich bin vollzeit berufstätig, aber nicht als Autorin oder Schriftstellerin, nein ich arbeite als Ärztin und das 40 Stunden in der Woche. Ich habe zwei Kinder, einen Haushalt, einen Garten, Verpflichtungen als Klassenelternsprecherin in der Schule und im Elternbeirat im Kindergarten. Langeweile kenne ich nicht.

Aber wo bleibt meine Zeit zum Schreiben? Beim Bügeln, Wäsche waschen, Kochen, Radeln zum Krankenhaus und beim Einkaufen freue ich mich auf meine Schreibstunde am Abend, wenn die Kinder im Bett sind, alles aufgeräumt ist und ich mich an meinen chaotischen Schreibtisch setzen kann.

Aber das ist nicht mein „Schreiballtag“. Dieser besteht aus Ideen, die mir tagsüber kommen, die ich in mein Notizbuch schreibe. Die Ideen reifen zu Geschichten. Und auf das Niederschreiben am Abend freue ich mich schon. Schreibblockaden gibt es keine mehr, eher kommt es vor, dass ich zu viele Ideen habe. Dioe Herausforderung besteht dann darin, die Ideen zu verknüpfen. Meist sind zunächst sinnlos erscheinende Verknüpfungen spannend und witzig zugleich, so dass mir das Experiementieren damit große Freude bereitet.

Aber wie geht es beim Verfassen eines Buchprojektes vorwärts, wenn ich immer nur mit Ideen herumspiele?

Ganz einfach: Wenn sich eine Idee als so interessant herausstellt, dass ich immer wieder darauf zurückkomme, sie sich also immer wieder in mein Bewustsein drängt, dann kann ich nicht anders. Ich gebe dem Drängen nach und beginne diese Idee zu einer Geschichte zu formulieren.

Dabei wird es spannend, die handelnden Figuren zu der Idee zu entwickeln, die bestehenden zwischenmenschlichen Koflikte und auch deren Entwicklung in der Geschichte. Anschließend überlege ich mir Schlüsselszenen, wo eine Wendung passiert, der Held zu Fall gebracht wird, der Dieb erwischt und gefasst wird … Diese Schlüsselszenen machen die Geschichte spannend, aber es sollten nicht mehr als eine handvoll davon vorkommen, sonst wird es schnell langweilig.

Sobald ich die Figuren und Schlüsselszenen notiert habe, ist auch der Schauplatz vor dem die Handlung stattfindet schon im Kopf entstanden. Das dazu passende Wetter und die jeweilige Tageszeit sind dabei ebenfalls schon geplant.

Nun beginnt der eigentlich spannende Teil, alle Szenen soweit zu schreiben, dass auf etwa zehn A4 Seiten die Geschichte umfassend nachzulesen ist. Die Ausarbeitung der einzelnen Szenen, das Verfassen von Dialogen, das Beschreiben der Figuren und Schauplätze erledige ich schrittweise Szene für Szene.

Danach lasse ich das fertige Manuskript einige Zeit (Tage, manchmal Wochen oder Monate) unangerührt liegen, beschäftige mich mit neuen Ideen, die mir beim Schreiben gekommen sind, oder Dinge, die nicht warten können.

Vergessen sie nicht, jeden Tag haben sie und ich nur wenig Zeit zum Schreiben, diese sollte effektiv genutzt werden, damit nach einem halben Jahr ein ansehnliches Textstück fertig ist.

Die Überarbeitung der ersten Form des Manuskriptes ist am lustigsten und bereitet sehr viel Freude. Dabei fallen sofort die Unstimmigkeiten auf, langatmige Pasagen, aber besonders die gut gelungenen Passagen, die es zu bewahren gilt müssen sie kennzeichnen.

Es bleibt sicher nicht bei nur einer Überarbeitung, oft werden es drei oder vier harte Durchgänge, in denen Wort für Wort und Szene für Szene gelesen, gestrichen, neu geschrieben, verworfen oder wieder hergestellt werden. Aber passen sie auf ihre gut gelungenen Stellen auf, die ihnen noch vom ersten überarbeiten aufgefallen sind. Diese können in der „Überarbeitunsgwut“ schnell überüberüberarbeite werden.

Wie steht es mit ihren Manuskripten?

Ich bin mir sicher, dass auf ihrer Festplatte einige spannende Texte liegen, die auf eine Überarbeitung warten. Oder es sind interessante Ideen, die in ihrem Notizbuch darauf warten, entdeckt und geschrieben zu werden.

Die Aufgabe für diese Woche:

Finden sie diese Ideen oder Texte. Nehmen sie sich diese Woche einen davon vor. Arbeiten sie daran und nächsten Sonntag freue ich mich auf ihre Zuschriften.

 

Ihre Kathrin Hamann

Über Kathrin Hamann

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3 Kommentare

  1. Dies ist die Idee zu dem ersten Kapitel meines Buches: „Yoga?! – Ein Weg zu mir

  2. Habe den kostenlosen newsletter abonniert, und dort den Link auf diesen Blog verfolgt. In der Adresszeile steht schreibkurs-online.de
    Meine Frage ist nun: bin ich damit auf eine kostenpflichtige Seite gelandet? Eigentlich hätte ich schon Lust, dort ein bisschen herumzusurfen, verschiedenen Links zu folgen, da ich ganz gerne kleine Geschichten schreibe. Aber ist das alles wirklich kostenfrei?

    Sag mir bitte bald Bescheid.

    • Kathrin Hamann

      Hallo, ja, alle auf dieser Seite befindlichen Informationen sind frei zugänglich. Angebote zu kostenpflichtigen Kursen sind gekennzeichnet. Sie können also nichts verkehrt machen 🙂
      Viel Spaß beim Lesen und Stöbern auf unseren Seiten.

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